BMW-Werk in Regensburg: Steuerungsqualität für Autobauer

Mitunter den größten Stellenwert in der Automobilproduktion hat die Qualität. Dafür sind reibungslose und zuverlässige Prozesse unabdingbar. Entsprechend hoch sind deswegen die Anforderungen an die Automatisierungstechnik.

Die Automobilbranche ist bekannt für ihre ausgefeilten Prozesse, für ihr Kostenbewusstsein und die hohen Ansprüche, die an Lieferanten gestellt werden. So auch beim Autobauer BMW in der Produktionsstätte in Regensburg, wo rund 9.000 Mitarbeiter etwa 300.000 Automobile im Jahr fertigen. Neben den Produktionshallen gehören auch viele Verwaltungsgebäude und sogar eine eigene Feuerwehr zum Standort, der in seinen Ausmaßen fast wie ein eigener Stadtteil wirkt.

Hoher Automatisierungsgrad

Damit hier alle Prozesse reibungslos ablaufen und die Menschen in angenehmer Umgebung ihre Arbeit verrichten, überlassen auch die Mitarbeiter des Facility Management nichts dem Zufall. „Wir haben einen sehr hohen Automatisierungsgrad in der Gebäudetechnik, damit Störungen sofort bemerkt und behoben werden“ erklärt Jörg Tratzl, der für die Planung von Bauprojekten an mehreren Standorten von BMW verantwortlich ist. Schließlich geht es nicht nur darum, ob die Heizung oder Beleuchtung funktioniert – auch die Bereitstellung von Medien, die für die Produktion benötigt werden, gehört zu seinen Aufgaben. „Energie, Kühlwasser oder Druckluft sind für uns die Vitalfunktionen, ohne die in der Produktion nichts läuft“ ergänzt er. Umso wichtiger ist hier die sorgfältige Auswahl von Lieferanten und Produkten. „Wir machen hier keine Experimente und setzen nur auf Lösungen und Hersteller, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Einer dieser Hersteller ist Vipa. Schon seit rund 20 Jahren gibt es eine enge Zusammenarbeit, die mit reinen Kommunikationsbaugruppen für bestehende S5-Steuerungen von Siemens begann und bis heute mit Komplettlösungen fortgesetzt wird.

Verschiedene Steuerungsgenerationen im Dienst

Mehrere SPS-Generationen sind in den Verteilungen von BMW zu finden: „Teilweise laufen die allerersten Produkte immer noch und verrichten treu ihren Dienst“ erzählt Robert Eisenhut, verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäudetechnik in Regensburg. Nach den seit vielen Jahren speziell für BMW angefertigten 300er-Handbaugruppen hielten vor allem CPUs der Serie 300S Speed7 und dessen I/O-Baugruppen wegen ihrer Zuverlässigkeit, aber auch wegen der Schnittstellenvielfalt und des flexiblen Speicher-Managements der CPUs Einzug in der Steuerung der Heizungs-Kälte und Lüftungstechnik (HKL). Auch die Kühlwasserversorgung des gesamten Werks wird durch Vipa-Steuerungen geregelt. Wo es möglich ist, setzt man dabei heute ergänzend auf das modulare und innovative Slio-System, das für viele Anwendungen durch seine hohe Flexibilität genau auf die Applikationen zugeschnitten werden kann und preislich attraktiv ist. Zusätzlich zeichnet sich dieses System vor allem durch die Montage- und Servicefreundlichkeit sowie durch seine extrem kompakte Baugröße aus. „Wir müssen natürlich bei allen Projekten die Kosten im Blick haben und so effizient wie möglich handeln – da gibt es bei Vipa durch das breite Sortiment oft wirtschaftliche Alternativen“ so Tratzl. Etwa 500 Steuerungen sind derzeit im Bereich der Gebäudetechnik als Informationsschwerpunkte im Einsatz – viele davon von Vipa. „Natürlich wollen wir von keinem einzelnen Lieferanten abhängig sein. Darum haben wir unterschiedliche Fabrikate im Unternehmen.“ verdeutlicht Tratzl.

Schnelle Reaktion in der Leitwarte

Jede einzelne SPS regelt zahlreiche Funktionen. Insgesamt gibt es hier rund 146.000 physikalische Datenpunkte, deren Werte in der zentralen Leitwarte zusammen laufen. Wichtige Funktionen sind auch redundant ausgelegt. Trotzdem ist es wichtig, so schnell wie möglich auf Störungen zu reagieren. „Angesichts der Ausdehnung des Werkes brauchen wir qualifizierte Meldungen. Der Mitarbeiter auf der Leitwarte muss sofort entscheiden können, wen er mit welchem Werkzeug oder Ersatzteil zum Einsatzort schickt.“ erklärt Tratzl. Nicht nur bei der Steuerungstechnik setzt BMW auf innovative Lösungen – auch in Sachen Energieeffizienz oder Drehzahlregelung findet man am Standort Regensburg Kombinationen aus Vipa- und Yaskawa-Lösungen. So wurden beispielsweise nach Zusammenschluss der beiden Unternehmen auch die ersten Projekte mit Frequenzumrichtern oder energiesparenden Antriebspaketen umgesetzt. Hierbei wurden z.B. Kühlwasserpumpen mit Frequenzumrichtern von Yaskawa zur energieeffizienten Drehzahlregelung eingebaut, sowie ältere Lüftungsanlagen als Retrofit mit einem energiesparenden Antriebspaket modernisiert. Dabei kommen IE4-Permanentmagnetmotoren mit den passenden Frequenzumrichtern zum Einsatz, die zusammen eine hohe Energieeffizienz bewirken. Diese Pakete sind für die genannten Applikationen mit variablem Drehmoment wie Pumpen oder Lüftern besonders geeignet. Auch in der Kombination arbeiten Vipa-Steuerungen passend mit den Frequenzumrichtern zusammen. Hierfür gibt es zur Erleichterung für die Inbetriebnahme fertige Modbus-RTU-Funktionsbausteine, die eine einfache Kommunikationskopplung sowie eine kostengünstige und unkomplizierte Lösung zur Drehzahlvorgabe oder für das Auslesen von Störmeldungen darstellen.

Kooperation trägt Früchte

„Damit trägt die Fusion von Vipa und Yaskawa spürbare Früchte“, erklärt Mark Steffen Kohl, der bei Vipa für internationale Key Accounts verantwortlich ist. In dieser Eigenschaft betreut er BMW und kann jetzt auch dort kombinierte Vipa/Yaskawa-Lösungen anbieten. „Wir schauen uns natürlich beim Retrofit der Steuerungstechnik immer auch die Frequenzumrichter und Motoren an. Wenn es sich rechnet, werden diese ebenfalls modernisiert – und wenn man dann bei VIPA gleich eine Lösung aus einer Hand bekommt, dann kann man sicher sein, dass alles läuft“, sagt Instandhalter Eisenhut. Und falls bei der Planung oder beim Retrofit Fragen auftauchen oder ein wichtiges Feature fehlt, rufen Tratzl oder Eisenhut bei Vipa an: „Wir schätzen die langjährige Zusammenarbeit“, erzählen sie. „Und wir genießen einen hohen Service, beispielsweise können wir mit Herrn Kohl auf einen direkten Ansprechpartner zugreifen, und landen bei Fragen oder Problemen nicht in einer anonymen Service-Hotline. Herr Kohl ist für uns immer erreichbar, er weiß entweder selbst Rat oder er kümmert sich darum. Wir brauchen hier schnelle, zielgerichtete Lösungen“, so das Fazit. Den Zusammenschluss mit Yaskawa habe man darum seitens BMW auch sehr aufmerksam verfolgt. Schließlich wollte man die gute Zusammenarbeit weiter führen, wusste jedoch nicht, ob Vipa vielleicht in Yaskawa aufgehen würde, man andere Ansprechpartner bekäme oder die Strukturen sich ändern würden. „Auch durch den Zusammenschluss der beiden Firmen konnten wir unsere bestehenden Kontakte behalten. Und es haben sich Synergien ergeben, von denen wir profitieren“, erläuterten sie.